


Es fing mit einem Schrecken an. Man schrieb das Jahr 1847. Da fiel in Bobengrün ein Junge vom Kirschbaum. Der Sturz ging nicht gut aus - beide Hände waren mehrmals gebrochen. Der zehnjährige Carl Sommermann, so hieß er, kam in große Not. In seiner Verzweiflung las er die Bibel und lernte dabei Jesus kennen. Seine Eltern hatten kein Geld für einen Arzt. So blieben die Hände verkrüppelt sein Leben lang. Doch diese Hände wurden ein Werkzeug Gottes. Er betete viel und lud Leute zum Bibelgespräch in seine Stube ein. Er bekam Kontakt zu den Herrnhutern, den Leuten des Grafen Zinzendorf, deren Jahresfeste er mit Bobengrüner Männern in Ebersdorf (35 km von Bobengrün) zu Fuß besuchte und deren Prediger über viele Jahre regelmäßig in seiner Stube Bibelstunden hielten.
Mit dem Evangelisten Johannes Seitz, einem Schüler von J.C. Blumhardt aus Württemberg, gehörte er zu einer kleinen Bruderschaft. Sie nannten sich die "Reichsbrüder", denn sie warteten auf das Reich Gottes. Immer wenn Johannes Seitz in seinem Haus eine Bibelstunde hielt, war seine große Wohnstube übervoll.
Mit 60 Jahren bekam Carl von Gott einen inneren Auftrag: Bete für dein Dorf! Das hat er getan. Im Froschbachtal, wo jetzt das Pfingstzeltlager ist, hütete er die Kühe. Dort im Wald hatte er einen Stein, an dem er immer vor Gott niederkniete und für sein Dorf betete - 23 Jahre lang! Dann geschah eine Erweckung in seinem Dorf Bobengrün, am Anfang der zwanziger Jahre. Viele junge Leute in Bobengrün fanden zu Jesus, darunter auch sein Enkel, der Bäckermeister Hans Hägel. Es entstand ein lebendiger Jugendkreis als CVJM. Hans Hägel leitete die Arbeit bis zum Verbot durch die Nazis. Nach dem 2. Weltkrieg schenkte Gott wieder einen geistlichen Aufbruch in Bobengrün. In den 70er und 80er Jahren wirkte Gottes Geist besonders in unserem Dorf. Viele junge Menschen haben Jesus in ihr Leben aufgenommen, die heute die Pfingsttagung geistlich und organisatorisch tragen. Der Same von Gottes Wort war aufgegangen - vielfältig.


Auch bei der Pfingsttagung war große Not am Anfang. Der Evangelist Johannes Seitz kam vor mehr als 100 Jahren nicht nur nach Bobengrün, wie oben beschrieben, sondern auch in die kleine Waldsiedlung Haueisen bei Naila, 10 km von Bobengrün. Dort besuchte er seinen Bibelboten Kiesling, der in seinem Auftrag Bibeln im Land verkaufte. Wenn Seitz in Haueisen war, hielt er dort auch Bibelstunden. Eine Frau, die Rosine Klotz, bekam dadurch Zugang zum Glauben an den lebendigen Gott. Ihr Sohn Martin lag 17 1/2 Jahre gelähmt in seinem Bett in einfachsten Verhältnissen. Doch dieser kranke Martin las die Bibel und fand darin Hilfe, Kraft und Trost. An den Sonntagen besuchten ihn gerne abwechselnd seine Freunde vom CVJM Naila, Münchberg, Hof und Bayreuth. Sie lasen die Bibel miteinander, beteten und sangen Lieder. Zum Abschied wünschte sich Martin immer sein Lieblingslied "Wüsstens doch die Leute, wie's beim Heiland ist, sicher würde heute mancher noch ein Christ".

Eines Tages sagte Martin zu seinen Freunden: "Ihr müsst einmal alle miteinander kommen an einem Wochenende im Frühling, wenn alles blüht und die Vögel singen. Kommt alle an Pfingsten zu mir!"; Und sie kamen vom CVJM Naila, Hof, Münchberg und Bayreuth - 36 an der Zahl. Und das war die allererste Pfingsttagung 1914 in Haueisen beim kranken Martin im Wald, auf der Wiese vor seinem Haus. Sie waren alle so erfüllt von diesem Treffen, dass sie sagten, das machen wir jedes Jahr wieder. Als Anfang der 20 er Jahre viele junge Leute in Bobengrün zum Glauben an Christus kamen, hörten sie, dass sich in Haueisen junge Christen an Pfingsten treffen und dort in den Scheunen übernachteten. Sie besuchten die Tagung und kamen ganz begeistert und erfüllt zurück.
Auf dem Foto sind auch die Bobengrüner bei der Haueisen-Pfingsttagung 1923 mit dabei. 215 Teilnehmer waren es damals schon. Später, in den 30er Jahren hielt der CVJM Naila die Pfingsttagung im Wald bei Naila, bis das Hitlerregime das Treffen verbot.
Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg war große Not im Lande. Viele standen vor dem Nichts und hatten keine Hoffnung. Es war eine Hungersnot, leiblich und geistlich. Da besorgte sich der Bäckermeister Hans Hägel bei der amerikanischen Besatzungsregierung eine Sondergenehmigung und fuhr mit einem stehen gebliebenen deutschen Militär-Lastauto und seinen jungen Leuten durchs Frankenland und die Oberpfalz. Auf Marktplätzen und in Sälen, mit Posaunen- und Gitarren- Musik rief er die Menschen zur Umkehr zu Gott. Am Schluss seiner markanten Reden waren es immer die Sätze: ”Kommt alle an Pfingsten nach Bobengrün!“ Und sie kamen: 400 Teilnehmer. Die Gäste wurden begrüßt mit großen, über die Straße gespannten Transparenten : ”Pflüget ein Neues, weil es Zeit ist, den Herrn zu suchen" (Hose10,12) stand auf einem Transparent und das passte genau in diese Nachkriegszeit. Quartier gab es in den Scheunen auf Heu und Stroh. ”Morgentoilette“ war am frischen Bach, und zur Stärkung hatten Hausfrauen Kartoffelsuppe in ihren Waschkesseln gekocht. Am Sonntag kamen noch 400 Tagesgäste aus dem Frankenwald und der Oberpfalz dazu. Das war die erste Pfingsttagung1946 in Bobengrün.
Hans Hägel mit seiner geistlich fröhlichen und gewinnenden Art konnte Menschen aus allen Schichten für Gottes Sache und für die Pfingsttagung begeistern. Er hatte ein weites und ein brennendes Herz. Zum 10. Tagungsjubiläum schrieb er: ”Wir müssen sagen, dass es die Gebete unserer Vorfahren waren, die das Wirken Gottes zu uns brachten. Sie haben gesät und gepflanzt, wir durften ernten“.

In seinem Bäckerhaus hatte der Hägels Hans eine Stube, in der sich jungen Leute versammelten, die nach dem ersten Weltkrieg durch eine Erweckung zum lebendigen Glauben gekommen waren. In der Hitlerzeit aber wurden diese Versammlungen verboten. Was sollte er jetzt tun? Er betete 7 Jahre. Es war während des 2. Weltkrieges. Beim Lesen der Bibelverse Jeremia 32, 7 und 8, als auch Krieg in Jerusalem war, sprach Gott zu Jeremia: kaufe einen Acker außerhalb von Jerusalem. Da kam ihm der Gedanke, ich könnte außerhalb von Bobengrün ein Blockhaus in meinen Wald bauen, wo wir in diesem Versteck junge Leute um die Bibel versammeln könnten. In seiner Bäckerei hatte er einen tüchtigen französischen Kriegsgefangen, der war Schreiner. Dem erzählte er von seinem Plan. Es dauerte nicht lange, da hatten Renè und sein französischer Kriegsgefangenenfreund Reymond, der auch Schreiner war, das kleine Blockhaus in den Wald gebaut. Jeden Samstag in der Nacht erzählte der Hägels Hans den Jungen dort Geschichten aus der Bibel. Das war von den Nazis streng verboten. Doch Gott sei Dank, es kam nichts heraus. Er konnte damals nicht ahnen, dass sich einmal in diesem stillen Wald tausende Menschen versammeln würden, und das Wort Gottes frei verkündigt werden würde.